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Kredit Schulden in Spanien: Wie Schuldner zum Zahlen bewegt werden

Der Beruf des Schuldeneintreibers entwickelt sich in Spanien immer mehr zum Traumberuf vieler umtriebiger Unternehmer. Seit Beginn der Finanzkrise werden in Spanien immer öfter Kredite nicht mehr zurückgezahlt. Die iberische Halbinsel wurde von der Krise besonders hart getroffen.

Vorher galten die Spanier als vorbildliche Schuldner. Die Kreditausfälle lagen bei fast 0 Prozent. Jetzt ist alles anders. Derzeit können bereits 5 bis 10 Prozent aller Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden.

Viele Unternehmen lagern ihre Verwaltung der offenen Rechnungen nun an spezialisierte Schuldeneintreiber aus. Da die vollständige Kreditrückzahlung in Spanien lange kein Thema war, fehlen nun die Rahmembedingungen dieser Zunft. Eigentlich kann jeder sein eigenes Schuldeneintreibungsunternehmen aufmachen. Er braucht dazu keinen Schulabschluss oder irgendeine Profession. Er kann auch vorbestraft sein. Auch die Weise wie die Schulden eingetrieben werden unterliegt derzeit noch keinem besonderen Reglement. Solange der Schuldner keine Anzeige macht, geniesst der Schuldeneintreiber einen sehr grossen Spielraum.

Sehr beliebt und effizient sind jedoch Drohanrufe während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden. Auch das Auftauchen am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis soll bei der Schuldenrückzahlung förderlich wirken. Seriöse Schuldeneintreiber gehen aber etwas feinfühliger vor. Sie spielen zwischen Drohen (was sind die rechtlichen Konsequenzen wenn ich die Schulden nicht zurückzahle?), Hoffen (wie werde ich endlich schuldenfrei?), und dem Anbieten von Kompromissen.

Doch meist ist es der Fall dass der Schuldner seinen Kredit ja zurückzahle möchte, aber einfach nicht kann. Auch hier hat der Schuldeneintreiber einen Plan wie er seine Klientel einteilt. Hat der Schuldner bereits seit einem Jahr kein Geld mehr zurückgezahlt, liegt die Wahrscheinlichkeit der vollständigen Kreditrückzahlung bei etwa 20 Prozent. Bei 80 Prozent liegt die Wahrscheinlichkeit wenn vor einem Monat das letzte Mal etwas bezahlt wurde.

Seriöse Schuldeneintreiber lassen die Finger von den sogenannten “hoffnungslosen Fällen”. Die werden den Kredit auf keinen Fall mehr zurückzahlen können, und kosten dem Schuldeneintreiber daher nur Zeit und Geld. Da aber in Spanien immer mehr Leute in diesen Markt drängen, verschiebt sich dadurch natürlich auch die Ansicht welcher Schuldner zum hoffnungslosen Fall gerechnet wird.

Momentan haben 40 Prozent aller spanischen Unternehmen die Verwaltung ihrer offenen Rechnungen einem externen Schuldeneintreiber anvertraut. Aus einer aktuellen Umfrage geht hervor dass weitere 33 Prozent der Unternehmer überlegen das zu tun. Das nährt natürlich die Hoffnungen in diesem Markt das grosse Geld zu verdienen. Doch die Realität sieht anders aus. Da ein guter Teil der Schuldner wirklich nicht in der Lage ist seine Schulden begleichen zu können, geht der Schuldeneintreiber auch leer aus. Denn er kassiert nur wenn er erfolgreich agiert.

Bild: © Birgit Reitz-hofmann | Dreamstime.com


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